Zum ersten Mal internationale Luft schnuppern
Bericht von Eva Spielvogel
MSC Köngen-Wendlingen e.V.



Der Entschluss zum ersten Mal an der Trial Europameisterschaft teilzunehmen war alles andere als leicht. Bis zum ersten Lauf der EM war es ein hartes Stück Arbeit. Den Winter über war intensives Ausdauertraining angesagt, um einen solchen fünfstündigen Wettkampf konditions- und kräftemäßig durchzustehen. Dabei wurde ich vom Körperwerk Kirchheim super unterstützt. Als dann die Termine für die Europameisterschaft endgültig feststanden (glücklicherweise nur in den Ferien) stand mein Entschluss fest: dieses Jahr fahre ich zum ersten Mal Europameisterschaft. Nun ging es daran die verschiedenen Lizenzen zu beantragen, was sich als recht kompliziert herausstellte (jeder der das schon mal gemacht hat, weiß wovon ich spreche…). So bin in die EM gestartet, mit dem Bewusstsein, dass ich es sicher nicht auf das Podium schaffe aber sehr viel an Erfahrung und Fahrtechnik dazulernen kann. Man kann es so auf den Punkt bringen: unverletzt überleben…

Außerdem kam mir meine schulische Lage gerade Recht: im April waren die schriftlichen Abschlussprüfungen und danach wurde es schulisch gesehen sehr entspannt. Ich habe mich also den ganzen Winter auf meine Prüfungen vorbereitet und mir somit mein Frühjahr fürs Trialfahren freigeschaufelt. Während meine Mitschüler in den Osterferien gebüffelt haben war ich zuerst in Südfrankreich zum Training und anschließend beim ersten Lauf der EM in Spanien. Der Circuit Parcmotor Castelloli liegt ca. 35 Minuten von Barcelona entfernt. Um die gut 4 Km lange Rennstrecke liegt eine Trial- und Motocross-Strecke. Fahrerlager war in der Boxengasse – bewacht von viel Securities.

Bei der Europameisterschaft gibt es für Damen zwei Klassen: die Women European Championship, die man mit unserem schweren Blau gut vergleichen kann, und die Women International Class - gutes schwarz bis grün – in der ich starte. In meiner Klasse gibt es nur eine Tageswertung, also keine Gesamtsiegerin.

In Castelloli sind alle Klassen, die es bei der EM gibt, gestartet: vier Herrengruppen (Trial European Championship, Junior Cup, Youth European Championship, Youth International Class) und die beiden Mädelsgruppen.

Als wir am 5. April ankamen gab es direkt das erste Planabweichung: Das Fahrerlager wurde nicht wie geplant um 15 Uhr geöffnet sondern erst um 20 Uhr. Am Freitag war dann Anmeldung, da gab es zwar nicht direkt die Rundenkarte sondern ein Fahrerleibchen mit der Startnummer, als Pfand muss man eine Lizenz dalassen. Dieses Fahrerleibchen erregte viele Gemüter – extrem unschick und dazu so groß, dass Mann und Frau erstmal Hand anlegen musste um es zu pimpen. Die technische Abnahme ist auch um einiges genauer als die bei einer Baden-Württembergischen Meisterschaft (BWJ), zum Beispiel mit einem Sound-Test – damit das Motorrad nicht zu laut ist.



Auch der Start ist anders: es gibt keine Fahrerbesprechung und jeder Fahrer startet nach einem exakten Zeitplan im Minuten-Takt alleine. Hier bekommt man dann auch die Rundenkarte. Bei der EM fährt man immer nur zwei Runden dafür 14-15 Sektionen, die man immer am Freitag nach der Anmeldung zu fest vorgegebenen Zeiten besichtigen darf. Die Sektionen liegen auf einer Rundstrecke - welche in Spanien so manchen Minder an seine Grenzen brachte und schon viel Kondition kostete. Am Tag des Wettkampfes darf man die Sektionen nur noch von außen anschauen. Pro Sektion hat man zwar keine Zeitbeschränkung jedoch gilt die Non-Stop-Regel. Wir Mädchen und Jugendlichen starteten nur Samstag – in meiner Klasse sind 11 Mädchen/Frauen im Alter von 15 bis Mitte 20 aus ganz Europa gestartet (Spanien, England, Polen, Frankreich…). Für Deutschland startete außer mir noch Jana Hörr. Mit 45 Fehlerpunkten landete ich auf Platz 7. Die höheren Klassen fuhren sonntags. In dem Fall hieß das Glück für mich, da am Sonntag so starker Regen einsetzte, dass es ein fast unmögliches Unterfangen war…




Mein zweiter Lauf fand in Polen – Krzeszowice an 2 Tagen (26. + 27. Mai) statt. Hier starteten nur die Jugendfahrer und die Damen - dafür aber ein Doppellauf. Der Ablauf der Anmeldung, Abnahme und Sektionsbesichtigung lief wie in Spanien ab. Mit der Ausnahme, dass die Sektionen um einiges schwerer waren als in Spanien, da die oberste Spur nicht gesteckt wurde und somit der gesamte Schwierigkeitsgrad angehoben wurde. Wäre es nach meiner Mama gegangen wären wir sofort nach der ersten Sektionsbesichtigung wieder nach Hause gefahren…

In Polen sind wir an beiden Tagen die gleichen Sektionen gefahren. Für mich waren sehr schwierige Sektionen dabei. Obwohl es zu Beginn unmöglich schien diese zu bewältigen, konnte ich sie dennoch recht gut meistern. An beiden Tagen hatte ich jeweils einen blöden Sturz, allerdings ohne größeren ‚Schaden‘. Nachdem ich am ersten Tag mit 92 Strafpunkten Platz 6 erreichte konnte ich mich am zweiten Tag auf 74 Strafpunkten verbessern (ebenfalls Platz 6). Eigentlich sollte ich damit zufrieden sein … aber hinterher ärgert man sich dann doch über gewisse Patzer und unnötige ‚Mädchenfüße‘. Aber für’s nächste Training weiß ich nun woran ich noch arbeiten muss...


Die EM ist eine mega Erfahrung! Ich habe viele Leute kennengelernt, viel übers Trialfahren gelernt und hatte viel Spaß mit Freunden und Familie. Schon allein die Zeit im Fahrerlager belohnt die weiten Anfahrten. Denn mein Papa als Minder, meine Mama und meine kleine Schwester waren immer dabei und haben mich unterstützt. Auf die nächsten beiden Läufe am 4. August in Italien und am 11. August in Belgien freue ich mich jetzt schon.

[Fotos: Eva Spielvogel]